| St. Nikolai, dem
Schutzpatron der Kaufleute, geweihte älteste und größte Leipziger Kirche aus dem 12.
Jh. Anfang des 16. Jh. Umbau zur spätgotischen Hallenkirche.
Von 1723-1750 war sie eine Wirkungsstätte J. S. Bachs. Die
Neugestaltung des gesamten Innenraumes erfolgte 1784-1797 im frühklassizistischen Stil,
was einen großartigen Raumeindruck entstehen ließ, ungewöhnlich für eine Kirche, licht
und hell in den Farben weiß, hellgrün und rosé. Die Kirchgemeinde verwirklicht das
Konzept der "Offenen Stadtkirche", Ausstellungen, Konzerte. In der Topografie
der historischen Orte, die im Vorfeld und Verlauf der freidlichen Revolution des Herbst
1989 eine herausragende Rolle spielten, nimmt die Nikolaikirche einen wichtigen Platz ein.
Letztlich ging von hier das Signal des
Aufbruchs aus. Von den Friedensgebeten, die es seit 1981 in der Nikolaikirche gibt, gingen
viele Anregungen und Aktionen aus, die eine Sensibilisierung der Öffentlichkeit für die
immer stärker nach einer Lösung drängenden Probleme in der DDR erreichten. Vor allem
junge engagierte Menschen, später Ausreisewillige und in den letzten Monaten des Jahres
`89 die ganz "normalen" Bürger fanden ein Forum und ein Dach. Die
Montagsdemonstranten, die nach den montäglichen Friedensgebeten auf dem Ring um die
Innenstadt zogen, schrieben Geschichte. Ihr Ruf "Wir sind das Volk!" brachte das
Unrechtsregime der DDR zum Einstürzen. Der entscheidende Wendepunkt im Kräftemessen
zwischen Staatsmacht und Demonstranten war der Abend des 9. Oktober 1989 hier in Leipzig:
70 000 Bürger brachen mit ihrem friedlichen Marsch den Machtwillen des SED-Politbüros
und seiner bewaffneten Organe. Noch am 7. Oktober hatte es im Umkreis der Nikolaikirche
Wasserwerfer-Einsätze und Massenverhaftungen gegeben. Seit 1991 erinnern immer in den
Oktobertagen Veranstaltungen an den "Aufbruch zur Demokratie".
10 Jahre nach diesem heißen Herbst ist die
Nikolaikirche und der angrenzende Nikolaikirchhof im Rahmen des städtischen Projektes
"Leipzig erinnert an den Herbst `89" ein zentraler Ort der Erinnerung und
Würdigung. Eine detailgetreue Nachbildung einer palmwedelbekrönten Säule (des Leipziger
Künstlers Andreas Stötzner) aus der Nikolaikirche, auf den Tag genau zehn Jahre später
auf den Nikolaikirchhof gestellt - steht dort als Synonym für den mutigen Aufbruch der
Menschen des Herbst `89. Die ganzheitliche Gestaltung des Platzes einschließlich der
ebenfalls sanierten Alten Nikolaischule (mit EXPO-Cafe der Stadt) zu einem urbanen
Erlebnisraum, in dem Kunst und Kulturereignisse, Vorträge, Lesungen und Aktionen Platz
finden und zum Besuch einladen, gibt dem Ort sein ganz spezielles neues altes Flair. |