Grußwort

„Information und Öffentlichkeit“ – unter diesem Motto stand der erste gemeinsame Kongress der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände (BDB) und der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis (DGI) im März 2000 in Leipzig. Mit dem bewusst  doppeldeutigen Motto 2004 „INFORMATION MACHT BILDUNG“ wollen die Veranstalter noch entschiedener kultur- und bildungspolitisches Terrain betreten; denn in den dazwischen liegenden vier Jahren hat sich in der Bibliotheks- und Informationslandschaft der Bundesrepublik Deutschland einiges verändert – leider  nicht  nur zum Guten.

Kultur, Bildung, also auch Bibliotheken, sind in Deutschland föderal organisiert. Koordination und Kooperation durch eine zentrale Institution für überregionales Innovationsmanagement, für Standardisierungen, für internationale Kontakte und vielfältige Dienstleistungen gibt es nicht mehr in der früheren Form. Dieser politisch begründete Verlust musste wenigstens teilweise ausgeglichen werden, nicht zuletzt durch die Verbände selbst, die – im Wesentlichen ehrenamtlich organisiert – sich im Rahmen ihrer Möglichkeiten wieder zunehmend in der Sacharbeit engagierten.

Aber auch im größeren Maßstab wurde die deutsche Bildungslandschaft von einer Veränderung erschüttert: das für eine hoch entwickelte Industrienation katastrophale Abschneiden Deutschlands in internationalen Leistungsvergleichen, die den Bildungsstand junger Menschen untersuchten, betrifft auch die Informationseinrichtungen und Bibliotheken, besonders die Öffentlichen Bibliotheken. Sie und die sie vertretenden Verbände artikulierten ihre Position und ihre Angebote. In Zusammenarbeit mit anderen Gremien, etwa der Leseförderung (Stiftung Lesen), gelang es den Verbänden, ihre Stimme in die bildungspolitischen Debatten einzubringen. Und nicht nur dies; an vielen – freilich immer noch zu wenigen – Orten haben sich Bibliotheken über ihre Aufgaben als Informations- und Kulturinstitute hinaus zu leistungsfähigen Bildungseinrichtungen in Zusammenarbeit etwa mit Schulen entwickelt. Das von der BDB gemeinsam mit der Bertelsmann Stiftung getragene Projekt „Bibliothek 2007“ wird auch diese Entwicklungen berücksichtigen und fördern.

Vor diesem Hintergrund entschlossen sich BDB und DGI, den zweiten gemeinsamen Kongress völlig neu zu konzipieren. Unter dem thematischen Dach „INFORMATION MACHT BILDUNG“ werden Fortbildungs- und Gremienveranstaltungen in großer Anzahl angeboten. Im Mittelpunkt jedoch stehen drei Schwerpunktveranstaltungen zu den Themen „Wirtschaft und Information“, „Bildung und Information“ und „Politik und Information”.

Darüber hinaus bestand die Absicht, den Kongress enger in die Leipziger Buchmesse zu integrieren, um so eine größere Öffentlichkeitswirkung, gerade auch für die prominent besetzten zentralen Veranstaltungen am Vormittag, zu erreichen.

Unsere neue Kongresskonzeption ist ein recht ehrgeiziger Versuch, dessen Ausgang über die Gestaltung des nächsten Kongresses im Jahr 2007 entscheiden wird. Derartige Veränderungen erleichtern natürlich nicht die ohnehin schwierige Arbeit der Vorbereitungsgremien. Der Programmkommission unter Leitung von Konrad Umlauf und dem Ortskomitee unter dem Vorsitz von Birgit Schneider ist das Zustandekommen dieses Kongresses in erster Linie zu verdanken. Zu danken ist auch allen Bibliotheksleitern, die die Mitarbeit in den Gremien ermöglicht haben. Dank ebenso an die Leipziger Messe, vor allem an Herrn Oliver Zille, für eine gute und verständnisvolle Zusammenarbeit. Ganz besonders möchten wir an dieser herausgehobenen Stelle aber einmal einem Wanderer danken, einem Wanderer zwischen BDB- und DGI-Gremien, zwischen Orts- und Programmkomitee und Buchmesse: Steffen Dittrich. Seine Ideen, sein Verhandlungsgeschick und seine Kollegialität haben diesen Kongress wie viele Veranstaltungen davor bereichert.

Doch nun: Herzlich willkommen zum Kongress 2004! Herzlich willkommen in Leipzig!

Dr. Georg Ruppelt Dr. Gabriele Beger
Sprecher der Bundesvereinigung Deutscher Bibliotheksverbände Präsidentin der Deutschen Gesellschaft für Informationswissenschaft und Informationspraxis

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