Wie entsteht das Programm des Bibliothekartags?  
Eine Information des Programmkomitees (Sachstand März 2009)


Das Programmkomitee: Auftrag und Mitglieder

Veranstalter der Bibliothekartage sind die Personalverbände im Bibliothekswesen, der Verein Deutscher Bibliothekare e.V. (VDB) und der Berufsverband Information Bibliothek e.V. (BIB). Sie sind für die Planung, Organisation, Durchführung, Finanzierung und Abrechnung der Bibliothekartage verantwortlich. Der Deutsche Bibliotheksverband e.V. (dbv) als Verband der Institutionen ist ihr dauerhafter Kooperationspartner.
Für die Bibliothekartage spielen zwei Komitees eine wichtige Rolle: Das Programmkomitee (PK) verantwortet das Fortbildungsprogramm. Das Organisationskomitee verantwortet die Organisation in der jeweiligen Stadt.
Mitglieder im Programmkomitee für den Bibliothekartag sind:

Das PK ist also durch das demokratische Element geprägt. Die Stimmenmehrheit im PK halten deren Mitglieder aus den gewählten ehrenamtlichen Bundesvorständen der Personalverbände und des dbv. Das unterscheidet dieses Programmkomitee auch von PKs für einige weitere bibliothekarische Fachkongresse.
Das PK entscheidet unabhängig über das jeweilige Fortbildungsprogramm des Bibliothekartags. Es verantwortet das Programm fachlich. Seine Mitglieder sind nicht an Weisungen des entsendenden Verbands gebunden.


Vom Call for Papers bis zum fertigen Programmangebot

Der erste umfangreiche Programmpunkt für das PK ist die Arbeit am call for papers (cfp). Dabei geht es um folgende Aufgaben: Themen diskutieren und formulieren, Ausschreibungsmodalitäten festlegen, Regeln für Referentinnen/Referenten und Moderatorinnen/Moderatoren aufstellen, Regeln zur Auswahl von Beiträgern für Kongresspublikationen formulieren. Derzeit wird der cfp kurz nach dem Vorjahreskongress bekannt gegeben.
 
Die eingehenden Vorschläge (Themen und Abstracts) werden übersichtlich aufbereitet. Im momentanen Tagungsgefüge folgt nach der Sommerpause eine zweitägige Sitzung des PK, auf der die Beiträge für das Fortbildungsprogramm ausgewählt und festgelegt werden. Grundlage sind sämtliche Themen und sämtliche Abstracts. Nicht der Einreichende entscheidet, ob „sein“ Vortrag oder „seine“ Veranstaltung in das Programm eingehen, sondern das Programmkomitee.
 
Verfolgt man die Arbeit des Programmkomitees über einige Jahre, so wird deutlich, dass einige Probleme fast jährlich auftreten und zu Nachfragen führen. Die Entscheidungen des PK zu diesen Punkten sollen für die Teilnehmerinnen und Teilnehmer transparent sein.
 
1. Zahl der Einreichungen - Umfang des Programms
Die Anmeldungen für den 98. Deutschen Bibliothekartag in Erfurt 2009 haben wieder einmal gezeigt, wie lebendig und erfolgreich das ehrenamtliche Prinzip für das Programm ist. 560 Beiträge wurden angemeldet. Aber nur ca. 300 können 2009 ins Programm kommen. Der Umfang an Veranstaltungen wird durch die verfügbaren Zeiten für Programmblöcke und auch durch die verfügbaren Räumlichkeiten mitbestimmt. Das PK muss auch deshalb Angebote ablehnen, zusammenlegen, aufteilen oder thematisch anders akzentuieren.
 
2. Themen im call for papers - Themen im Programm
Nicht jedes ausgeschriebene Thema stößt auf dieselbe Resonanz. Nicht jede Gruppe findet ihren Arbeitsschwerpunkt in den ausgeschriebenen Themen wieder. Es gehen auch Vorschläge für Beiträge zu sehr interessanten Themen ein, die nicht im cfp standen oder die im Vorjahr Schwerpunkte waren. Das PK reagiert hier in einem gewissen Rahmen flexibel, wenn es Themen für einen nicht zu kleinen Personenkreis sind. Jedoch haben die Themen des cfp in der Regel Vorrang.
 
3. Aktualität
Derzeit muss das PK im September entscheiden, welche Themen im kommenden Juni auf dem Programm stehen. Aktualität kann deshalb ein Problem sein. Nahe zu alle Referenten präsentieren Beiträge, die im Vergleich zum eingereichten Vorschlag auf den neuesten Stand gebracht wurden. Nach Programmschluss aktuell werdende Themen können leider nur mit großen Einschränkungen in das Programm eingehen. Denn andernfalls müssten genehmigte Programmpunkte nachträglich wieder herausgenommen werden.
 
4. Spezialthemen
Es gibt wichtige spezielle Fachthemen, mit denen sich nur einige Fachkollegen wirklich auskennen und die auf wenige Zuhörer stoßen. Diese Wenigen sind häufig von der besonderen Bedeutung ihres Spezialthemas für den Bibliothekartag überzeugt. Das PK bemüht sich jedoch, ein Programm anzubieten, das nicht allzu tief in die Nischen der Arbeit hineinreicht. Manche Spezialthemen passen besser für das interne Arbeitstreffen der Expertengruppe als für eine öffentliche Veranstaltung auf dem Bibliothekartag, der ein Jahreskongress für alle Bibliothekarinnen und Bibliothekare sein soll.
Auch unter den Vorschlägen für Einzelvorträge finden sich interessante Spezialthemen. Nur in einigen Fällen lässt ein Veranstaltungsblock für sie finden, der thematisch benachbart ist.
 
5. Wiederholungen
Es gibt Themen als Dauerbrenner, die jedes Jahr wichtig sind (z.B. Rechtsfragen, Informationskompetenz, Baufragen, Verbünde). Das PK meint aber, dass sie am Bibliothekartag nicht jedes Jahr in gleicher Intensität angeboten werden sollen. Es versucht, von Jahr zu Jahr Abwechslung ins Programm zu bringen. Das PK beschneidet aus diesem Grund auch die Anzahl reiner update-Vorträge und inhaltlicher Wiederholungen unter variiertem Titel deutlich. Es beschneidet auch die Zahl der Vorträge pro Referent. Für Erfurt schlug ein Referent z.B. bis zu 5 Beiträge zu unterschiedlichen Themen vor.
 
6. Fachgremium und Veranstaltungsblock
Es gibt zahlreiche Bibliothekssparten, Kommissionen, Expertengruppen, Arbeitsgemeinschaften, Verbände, Verbünde, Ausbildungseinrichtungen und spezielle Interessengruppen im Bibliothekswesen. Nicht wenige dieser Gremien nutzen den Aufenthalt beim Bibliothekartag auch für separate Arbeitstreffen außerhalb des Programms. Einige der Fachgremien beanspruchen, nach ihren Vorstellungen im Programm vertreten zu sein. Das Programm soll aber nicht allein aus fertigen Veranstaltungsblöcken bestehen, welche das Fachgremium abgibt und das PK nur „durchwinken“ soll. Vielmehr stellt das PK das Programm selbständig zusammen. Zumindest bei öffentlichen Veranstaltungen muss es sich vorbehalten, über Einreichungen der Fachgremien und Interessengruppen unabhängig zu entscheiden. Daher kommt es öfters vor, dass sich innerhalb von Veranstaltungsblöcken etwas ändert oder dass das PK diese mit anderen Blöcken oder mit Einzelvorträgen Dritter koppelt.
 
7. Firmen und Fortbildungsprogramm
Das Fortbildungsprogramm ist in steuerlicher Hinsicht der gemeinnützige Teil des Bibliothekartags. Finanzielle oder kommerzielle Interessen dürfen darin nicht zum Tragen kommen; sonst wäre die Gemeinnützigkeit gefährdet. Firmen werden deshalb gebeten, ihre Produkte in der Firmenausstellung und bei Firmenvorträgen vorzustellen und dort das Gespräch mit Kunden zu suchen. In den vergangenen Jahren gab es einzelne Veranstaltungen, in denen Firmen referierten und Wettbewerber sich anschließend über diesen Vorteil beschwerten bzw. mit Rückzug von der Firmenausstellung drohten. Das PK legt deshalb im Fortbildungsprogramm den Akzent deutlich auf bibliothekarische Projekte. Sie können durchaus Ergebnis der Kooperation mit Firmen sein. Im Vordergrund sollen aber nicht die Firma oder ihr Produkt, sondern der Gewinn der Kooperation für die bibliothekarische Dienstleistung stehen. Das Fortbildungsprogramm ist kein Forum zur Präsentation von Firmen.


Das Programmkomitee für den 98. Deutschen Bibliothekartag in Erfurt