Erfurt literarisch

 
 

Jakob Meltzer oder Jacob Micyllus (1503-1558) gehörte zum Umkreis der Erfurter Humanisten, die seit ca. 1500 bis in die 20er Jahre des 16. Jahrhunderts in Erfurt aktiv waren und den Ruhm der Erfurter Universität weit über die Region hinaus festigten. Zahlreiche später berühmte Humanisten begannen ihre Laufbahn als Studenten in Erfurt, so Konrad Celtis und Eobanus Hessus. Eobanus Hessus wirkte von 1514 bis 1526 als Professor für Latein in Erfurt. In dieser Zeit entstanden die berühmten „Dunkelmänner-Briefe“, eine satirische Auseinandersetzung mit der dogmatischen Geisteshaltung der Kirche und der Scholastik, als deren prominenteste Verfasser Crotus Rubeanus (Johannes Jäger) und Ulrich von Hutten gelten, beide Mitglieder des Humanistenkreises.
Der exzellente Ruf der Universität Erfurt in der Zeit um 1500 lockte auch Martin Luther 1501 zum Studium nach Erfurt, Melanchthon, Spalatin und Johannes Lang tummelten sich später im Umkreis der Humanisten um Hessus. Diese trafen sich im Haus „Zur Engelsburg“ in der Allerheiligenstraße, heute studentisches Kulturzentrum. Jakob Meltzer studierte von 1518 bis 1522 in Erfurt unter anderem bei Hessus und wurde 1524 im zarten Alter von 21 Jahren Rektor der Lateinschule Frankfurt am Main. Er starb hochgeachtet als Professor für Griechisch in Heidelberg.

Reisegedicht
(…)
Da erblickten wir fröhlich die ragenden Türme von Erfurt,
Wo uns das gastliche Haus freundlicher Wirte empfing,
Sei mir gegrüßt, o Stadt, du reich vor vielen gesegnet,
Reich an Spenden des Glücks, reicher an Schmuck der Natur!
Sei mir gegrüßt, du friedliches Haus, das in heimlicher Stille
Emsigem Streben und Fleiß traulicher Zeuge mir war!
Sagt, wie preis ich so recht aus der Fülle des dankbaren Herzens,
Was Euch segnend ein Gott gnädig an Gütern verlieh?
Hast du an strömendem Wasser der Flusses Gefallen, oh Erfurt,
Nimmer versieget im Sand, gelbliche Gera, dein Lauf,
Oder verlangst du nach laubigen Höhen und Kühle des Waldes,
Hügel und Wiesen und Hain prangen dir lieblich im Grün.
Traun, nicht schmachtet um dich im dürftigen Sand das Getreide,
Nein, dir strotzet die Scheur voll von der rätlichen Frucht.
Auch nicht Weinbau fehlt; wohl reift dir die liebliche Traube,
Wahrlich, es steht dein Gewächs fränkischem Weine nicht nach.
Dies sind die leiblichen Gaben, womit die Natur dich gesegnet,
Höher noch preis ich den Schatz geistiger Güter an dir!
Denn wie weit wir die Musen vor allem andern verehren,
Wie der Wissenschaft Ruhm weit über anderem strahlt,
So viel bis du vor andern an Ruhm und Ehre zu preisen,
Die du so lange nun schon edelste Studien pflegst.“

Gedicht (Ausschnitt) aus: Kirsten, Wulf (Hg.): „Umkränzt von grünen Hügeln…“ Thüringen im Gedicht, Jena 2004, S. 17

 
 
 
Christoph Martin Wieland (1733-1813) studierte bis 1750 an der Erfurter Universität Philosophie und wurde 1769 als Professor für Philosophie an seine alte Alma Mater berufen. Seine anfängliche Begeisterung für die Erfurter Universität schlug schnell in Resignation um, als er feststellte, dass seine aufklärerischen Gedanken und Reformideen nicht auf fruchtbaren Boden fielen.

„Ich habe alle ersinnliche Ursachen gerne hier zu seyn. Der Churfüst giebt mir alle Proben von Distinction und Vertrauen die ich nur wünschen kann [sic!]; sein erster Minister, der Baron v. Groschlag liebt mich, und schreibt mir Briefe, welche des Drucks würdig sind. Unser Statthalter überhäuft mich mit Merkmalen von einer freundschaftlichen Gewogenheit. Ich lebe in der vollkommensten Freyheit, und was ich für die Academie thue, wird mir mehr für ein Verdienst als für eine Schuldigkeit angerechnet. Ich geniesse einen Gehalt von 550 Rthl. Und habe neuerlich die positivste Churfüstl. Versicherung erhalten, dass selbiger baldmöglichst ansehnlich vermehrt werden sollte.“ (Brief an Gleim vom 8.12.1769, S. 64)

So lautete sein nicht ganz uneigennütziges Urteil zu Beginn seiner Erfurter Professorentätigkeit in einem Brief an seinen Freund, den Dichter und Geistlichen Johann Wilhelm Ludwig Gleim in Halberstadt. Doch schon vier Monate später schreibt er an seine frühere Verlobte und lebenslängliche Vertraute Sophie La Roche, „daß man leichter einen Mohren weiß waschen, als die Erfurter Universität empor bringen könnte.“ (an Sophie La Roche, 20. April 1770, S. 134)

1772 nimmt er das Angebot der Herzogin Anna Amalia an, die Erziehung des Erbprinzen Karl August zu übernehmen und kehrt Erfurt den Rücken mit den Worten: „Ich bin nun zum letztenmal in Erfurt, liebster Freund! im Begriff meine sarcinas [Bündel] und sarcinulas [Bündelchen] zu kolligiren, und in drey Tagen à dato dieser wundervollen Hauptstadt Thüringens, und ihrem uralten Musensitz auf ewig, so Gott will, den Rücken zu kehren.“ (Brief an Riedel vom 17.9.1772, S. 633)

Zitate aus: Wielands Briefwechsel Bd. 4: Briefe der Erfurter Dozentenjahre (25. Mai 1769 – 17. September 1772), hg. v. der Akademie der Wissenschaften der DDR, Zentralinstitut für Literaturgeschichte, Hans Werner Seiffert, Berlin 1979

 
 
 
Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) besuchte zwischen 1776 und 1814 verschiedentlich Erfurt, unter anderem zu seinen berühmt gewordenen Treffen mit Napoleon während dessen Aufenthalt in Erfurt 1808. Insbesondere aber führte sein Kontakt mit dem umstrittenen, aber äußerst umtriebigen kurmainzischen Statthalter Karl Theodor von Dalberg zu häufigeren Aufenthalten in Erfurt, wo er gemeinsam mit Wieland, Schiller und Herder Mitglied der 1754 gegründeten und bis heute existierenden Akademie gemeinnütziger Wissenschaften war.  Aus dem Nachlaß zum West-östlichen Diwan (1814)

„Sollt’ einmal durch Erfurt fahren,
Das ich sonst so oft durchschritten,
Und ich schien, nach vielen Jahren,
Wohlempfangen, wohlgelitten.

Wenn, mich Alten, alte Frauen
Aus der Bude froh gegrüßet,
Glaubt’ ich Jugendzeit zu schauen,
Die einander wir versüßet.

Das war eine Bäckerstochter,
Eine Schusterin daneben;
Eule keinesweges jene,
Diese wusste wohl zu leben.

Und so wollen wir beständig,
Wettzueifern mit Hafisen,
Uns der Gegenwart erfreuen,
Das Vergangne mitgenießen.

(aus: Goethe, Johann Wolfgang von: Sämtliche Werke. Weimarer Ausgabe Abt. I  Bd. 6, Weimar 1888,  S. 278)

 
 
 
Ludwig Bechstein (1801-1860) wurde als unehelicher Sohn der Johanna Carolina Dorothea Bechstein in Weimar geboren und 1810 von seinem Onkel Johann Matthäus Bechstein adoptiert, der ihm eine Ausbildung als Apotheker ermöglichte, die Bechstein in Arnstadt, Meiningen und Salzungen absolvierte. Nachdem er durch ein Stipendium des Herzogs von Sachsen-Meiningen Philosophie, Geschichte und Literatur studieren konnte, erhielt er schließlich 1831 die Stelle als herzoglicher Kabinettsbibliothekar in Meiningen, die er bis zu seinem Tode innehatte. Bechstein war seiner Thüringer Heimat zeitlebens sehr verbunden, wovon die heute nach wie vor populären Reisebeschreibungen ein beredtes Zeugnis ablegen. Mit seinen Märchen- und Sagensammlungen schrieb sich Bechstein in die Unsterblichkeitsliste der deutschen Literatur ein.

„Schon oben von der Cavate, der breiten, geplatteten Balustrade, welche die vordere Seite des Domes ganz umzieht, gewährte sich eine reizvolle Aussicht auf den großen Platz, die nahen Straßen und ansehnlichen Gebäude. Aber zum herrlichen Panorama entfaltet, lag, vom Domturm überblickt, das Häusermeer der Stadt mit den ragenden Felszacken ihrer immer noch schwer zu zählenden Türme, mitten in dem grünen Gefilde, von Bergen umfangen und wie ein Stern nach allen Richtungen hin die weiß in die Ferne leuchtenden Straßen ausstrahlend. Rundum erstrecken sich, freundlicher wie ehedem, graue Mauern und trotzige Türme, die gediegenen Werke der Fortifikation, und schließen in ihren weiten grünen Ring schirmend und sichernd die Stadt, die vielen und weitläufigen Vorstädte, zahlreiche Gärten, Wiesen und Vergnügungsorte mit ein.

 „Über die äußerst zahlreichen herrlichen altdeutschen Baudenkmäler dieser Stadt, ihre Skulpturen, Inschriften, Kenotaphe, Urkunden u. dgl. könnten schätzbare Werke ins Leben gerufen, Folianten gefüllt werden; allein noch scheinen jene ihrer gründlichen Historiographen zu harren, und es ist nur schade, dass so manches davon im Laufe der Zeiten untergeht, zerstört oder verschleppt wird, was dann unwiederbringlich verloren ist und davon höchstens eine Chronik dürftige Nachricht oder die Mappe eines mit Sinn dafür begabten Privatsammlers leicht verlierbare Zeichnungen aufbewahrt.“

Alle Zitate aus: Bechstein, Ludwig: Unterwegs im Reisewagen. Bilder und Skizzen aus Thüringen, Rudolstadt 1988, S. 222/23; 227)

 
 
 
Arnold Zweig (1887 – 1968) wurde in Glogau (Niederschlesien) geboren und gab sein literarisches Debüt mit dem Buch „Novellen um Claudia“ 1912. 1915 erhielt er den Kleist-Preis für seine Tragödie „Ritualmord in Ungarn“. Nach dem ersten Weltkrieg ließ er sich am Starnberger See nieder und pflegte Freundschaften zu Lion Feuchtwanger, Sigmund Freud und Martin Buber, der ihn, den säkular ausgerichteten Juden, in die Gedankenwelt des Zionismus einführte. Zweig verließ Bayern 1923 nach dem Hitler-Putsch und arbeitete in Berlin als Journalist für die Jüdische Rundschau. 1934 emigrierte er nach Palästina, um sich von dort aus für sozialistische Ideen publizistisch einzusetzen. 1947 kehrte er in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands zurück und wurde 1949 Abgeordneter der Volkskammer, in der er bis 1967 blieb. Gleichzeitig war er Mitglied des Weltfriedensrats und wurde 1953 Präsident des Deutschen P.E.N.-Zentrums Ost und West (später P.E.N.-Zentrum der DDR). Arnold Zweigs literarische Tätigkeit zog sich durch die verschiedenen Lebensstationen hindurch.

„Am Vormittag des folgenden Tages ließ ich mich vom Sohn meines Gastgebers durch Erfurt führen – und das, was mich dort erwartete, blieb mir für Jahrzehnte unvergeßlich. Da führten Brücken, bebaut wie die von Florenz und Venedig, über einen Fluß, dessen Name mir bislang nichts bedeutet hatte, obwohl er von einer Stadt getragen wurde, die Gera hieß und noch bis 1920 Hauptstadt des Volksstaates Reuß war. Mittelalterliche Häuser, Fachwerk und hölzerne Söller kamen auf mich zu und wurden im Weiterschreiten mit Bedauern zurückgelassen. Eng wie im geliebten Straßburg standen die Häuschen um Wasserläufe, aber sie hießen nicht wie dort Petite France. Unter niederen Dächern schauten Fenster auf grüne Baumgruppen und das strömende Element. Sie erweckten in mir Eindrücke von Bühnenbildern zu Goethes Götz oder Faust. Dann wieder zeigten sich enge Fensterreihen hoch hinauf gegiebelt in Fachwerkstraßen, und man konnte kaum dem Verlangen widerstehen, immer wieder innezuhalten und die architektonische Kühnheit eines Söllers zu bestaunen, der zwischen gotischer Tür und vergittertem Renaissancefenster hoch oben eine Madonna mit dem Kinde zeigte. Wo bin ich denn? fragte ich mich. Wo steht in Reiseführern ein Hinweis darauf, daß Erfurt, eine Stadt am Thüringer Walde, sich mit Augsburg und Nürnberg im Wettbewerb messen könnte, städtebaulich und stimmungshaft?“ (S. 5/6)

Zitat aus: Arnold Zweig: Begegnung mit Erfurt, in: Rat der Stadt Erfurt (Hg.): Erfurt, Weimar 1960, S. 5-8

 
 
 
Georg Heym (1887-1912) gehört zu den bedeutendsten Lyrikern des Expressionismus. 1887 in Berlin als Sohn eines Juristen geboren, führte er ein recht unstetes Studentenleben, das ihn 1910 auch kurzzeitig nach Jena führte. Mit seinem Studienfach, der Jurisprudenz, die er aus Pflichtgefühl seinem Vater gegenüber verfolgte, konnte er sich nie anfreunden, statt dessen schlug sich seine kreative Energie schon von früher Jugend an in literarischer Tätigkeit nieder. Insbesondere die Zeit seiner Zugehörigkeit zu einem jungen Dichter-Club, dem auch Jakob van Hoddis angehört, beflügelt seine dichterische Phantasie. Georg Heym ertrinkt, erst 24jährig, bei dem Versuch, einen beim Schlittschuhlaufen eingebrochenen Freund zu retten.

Aus Thüringen (1910)
1
Vom goldnen Grün der Wiesen in dem Tale,
Von Erlenbüschen und den Blumenhängen
Steigt auf der Felsen Rund zum Himmel-Saale,
Wo oben Eichen in das Blaue drängen.

Das Wasser rinnt aus kühler Grotten Moose
In blassem Strahl zum Trog der Schnitterinnen.
Sie sehn den Faltern zu, die im Gekose
Sich fangen in dem Netze großer Spinnen.

2
Der weiten Buchen Tanzsaal zieht zu Tal
Auf Silbersäulen von der Waldung Kamm.
Im toten Laube glüht die Sonne fahl
Aus Regenwolken fort auf gelbem Stamm.

Die grünen Halden ziehn, an Büschen reich,
Und Dornenhecken, Feldern im Geviert,
Ins Land hinaus, wo sich der Abend weich
Das Götterhaupt mit blassen Kränzen ziert.

(in: Kirsten (Hg.), „Umkränzt…“, S. 205)

 
 
 
Johannes R. Becher (1891-1958), geboren in München, studierte Medizin und Philosophie zunächst in München, dann in Jena, brach das Studium aber zugunsten seiner zunächst vom Expressionismus geprägten literarischen Tätigkeit ab. Nach dem ersten Weltkrieg engagierte sich Becher politisch als Mitglied der KPD. 1933, nach dem Reichstagsbrand, ging Becher ins Exil in die UdSSR, wo er ins Visier der Stalinistischen Säuberungen geriet und 1941 nach Taschkent umgesiedelt wurde. 1945 kehrte er nach in den sowjetisch besetzten Teil Deutschlands zurück und engagierte sich bei der Gründung des „Kulturbundes zur demokratischen Erneuerung Deutschlands“, des Aufbau-Verlages und der Zeitschrift „Sinn und Form“. Nach der Gründung der DDR 1949 wurde Becher Mitglied der Volkskammer, 1953 Nachfolger von Arnold Zweig als Präsident der Akademie der Künste und war von 1954 bis 1958 Kulturminister der DDR. Becher wandelte seinen literarischen Stil während seines Exils in der UdSSR hin zu den Prinzipien des sozialistischen Realismus, er ist zudem Autor des Textes der von Hans Eisler vertonten Nationalhymne der DDR „Auferstanden aus Ruinen“. Das Gedicht über Thüringen stammt aus seiner frühen schriftstellerischen Zeit und zeugt von einem exzessiven, nicht immer unbedingt gelungenen Einsatz expressionistischer Stilmittel.

 Thüringen (1917)

Beschwungene Weite! Weite Fluß wie Baums!
Glänzende Winde streichen euere Saaten!
Stadt-Nester tiefst in Täler grünerem Sommer Brand
Oboen-Schwärme rollen –

Ewig gereift ihr in Goethes hellstem Gedicht!
Schimmernd solch Antlitz, von Strahlen magischer Sonne bespannt.
Quell-Blüten sprießend. Hier tönen ja Wälder noch!
Kreatur vereint zu freiestem Wesensbund…

Melodisch und schreitet der Mensch. Deß Harnisch rings Licht.
Gestirn-Barken treiben nach der Küste überpalmeter Schläfe.
Riesen-Tulpen aber steigt enorm einst Lava ausschmetternder Krater.
Schlucht -: Tau-Morgen-Wiege.

(in: Kirsten  (Hg.), „Umkränzt...“, S. 217)

 
 
 
Zum Abschluss noch etwas Humoristisches, das nicht zuletzt von der Bedeutung vor allem Jenas als Studentenstadt zeugt. Jena war insbesondere eine Keimzelle der geistigen Revolution gegen die Klassik – der Jenaer Romantikerkreis um mit Friedrich und August Schlegel, Novalis, Schelling und den Humboldt-Brüdern legte den Grundstein für eine Neuorientierung der deutschen Geistesgeschichte. Auch in den unruhigen Revolutionszeiten um 1848 spielten die Jenaer Burschenschaften eine nicht unwichtige Rolle. Um 1895 dichtete der gebürtige Jenaer Georg Bötticher (1849-1918), Graphiker, Publizist und Vater von Joachim Ringelnatz (eig.: Hans Bötticher) seine kleine Satire auf das Jenaer Studententum.

Ein Wohnungsumzug (1895)

Warum drängt dort in der Gasse
Kopf an Kopf die Menschenmasse?
Warum steht das Pubikum
So erwartungsvoll und stumm?
Sehet – aus der Straße Mitten
Kommt’s im Gänsemarsch geschritten!
Langsam, ernst und feierlich
Nahen neun Studenten sich:
Eine Lampe trägt der Große
Nummro Zwei hält eine Hose,
Nummro Drei schleppt einen Rock,
Vier trägt einen Knotenstock
Einen Stiefelknecht hält  F ü n f e,
Nummro Sechs drei ganze Strümpfe,
Nummro Sieben ein Rapier,
Nummro Acht der Pfeifen vier.
Nummro Neun beschließt den Zug
Mit der Bibliothek: ein Buch

Aber rings im Publikum
Flüstert’s: „Ein Student zieht um!

(in: Kirsten (Hg.), „Umkränzt…“, S. 191)